Fazit

Bereits vor der Durchführung des hier vorgestellten Projekts waren wir davon überzeugt, dass politische Bildung auch mit Kindern im Grundschulalter möglich ist. Diese Annahme hat sich während der Projekttage wie auch im Rückblick auf diese bestätigt.

fazit-2Ob politische Bildungsarbeit gelingt, hängt dabei vor allem von Zugängen, Ansprachen, thematischen und methodischen Herangehensweisen sowie Motivation der teilnehmenden Schüler_innen ab. Die Verhandlung gesellschaftspolitischer und komplexer Themen mit Grundschüler_innen hat sich bewährt. Hierbei zeigte sich, wie wichtig es ist, Kinder gerade in solche Aushandlungsprozesse und Diskussionen einzubeziehen, von denen sie sonst häufig ausgeschlossen sind. Dafür brauchen Kinder jedoch die Zeit, über Themen nachzudenken und sich ihrer eigenen sowie anderer Meinungen bewusst zu werden.

An den Projekttagen wurde gelacht und gestritten, gearbeitet und gespielt, es wurden Kompromisse gefunden und manchmal blieben auch Differenzen stehen. Neben viel Lob der Schüler_innen gab es auch vereinzelte Kritik. Für uns als Projektteam war es eine sehr wertvolle Erfahrung, die Wirksamkeit des vorher erarbeiteten Konzepts in der Praxis beobachten zu können.

Ziel des Projekts war es, Projekttage zur bild15Prävention von rechten Ideologien und für mehr Demokratie an der Grundschule zu entwickeln und hierfür Methoden der politischen Bildungsarbeit altersgemäß auf Grundschüler_innen anzuwenden. Dies ist gelungen. Dennoch bedarf es der Weiterentwicklung des Projekts, insbesondere wenn auch mit Schüler_innen der vierten oder fünften Klasse gearbeitet werden soll. Darüber hinaus haben sich im Projektverlauf einige Faktoren herauskristallisiert, die unserer Meinung nach für das Gelingen von Projekttagen, wie den hier vorgestellten, besonders wichtig sind.

  1. Standardisierte Projekttage funktionieren für diese Altersgruppe nicht. Für Kinder stellen das Einnehmen verschiedener Perspektiven und die Behandlung komplexer und zum Teil emotional schwieriger Themen große Herausforderungen dar. Dies macht eine didaktische Herangehensweise notwendig, die sich in den verschiedenen Projektphasen an den Bedürfnissen und Wünschen der jeweiligen Schüler_innen orientiert. Die in unserem Projekt entstandenen Konzepte lassen sich daher eher als Gerüste beschreiben. Die darin verwendeten Methoden und Inhalte sind prozessorientiert dem jeweiligen Kontext sowie auch den Entscheidungen und Wünsche der Gruppe entsprechend anzupassen.
  1. Sollen gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, werden für Gruppen mit mehr als zwanzig Kindern, mehr als zwei Teamer_innen benötigt. Sensible und komplexe Themen wie Asylrecht, familiäre Vielfalt, die Bedeutung von Nationalitäten, Gründe für Flucht, Gerechtigkeit und Teilhabe, um nur einige Beispiele zu nennen, lassen sich konzentrierter in kleineren Gruppen diskutieren. Auch haben Kinder meist ein größeres Mitteilungsbedürfnis als Jugendliche und brauchen den Raum, sich einbringen zu können; in großen Gruppen wäre dies nicht für alle gegeben.
  1. Außerschulische Lernorte bieten gute Voraussetzungen für die Durchführung von Projekttagen, da sie eine Distanz vom alltäglichen Schulgeschehen ermöglichen. So können hierdurch vertraute Handlungs- und Rollenmuster leichter durchbrochen und neue Möglichkeiten der Entfaltung geboten werden. Auch kann der durch die Kleingruppenarbeit erhöhte Raumbedarf von vielen Schulen nicht gedeckt werden. Im Projekt hat sich die Vernetzung mit lokalen Einrichtungen und deren Nutzung bewährt. Dies bot darüber hinaus die Möglichkeit, Angebote der Jugendhilfe in der entsprechenden Zielgruppe bekannt zu machen.
  1. Gerade bei Themen, die viel Sensibilität erfordern und die inhaltlich eine emotionale Herausforderung darstellen können, brauchen Kinder Wahlmöglichkeiten. Nur so ist gewährleistet, dass sie auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema mitbringen. Dies ist als Motivationsfaktor nicht zu unterschätzen. Die Schüler_innen haben in ihren Feedbacks besonders den Grad an Mitbestimmung positiv hervorgehoben. Auch wenn es in jeder Klasse Schüler_innen gab, die lieber ein anderes Thema bearbeitet hätten, wurde die Wahl des Vertiefungsthemas in Mehrheitsentscheidung als sehr positiv empfunden.

 

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Rückblickend bleibt festzuhalten, dass eine stärkere Einbindung der Schüler_innen bei der Durchführung der Abschlusspräsentation wünschenswert gewesen wäre. Ebenso würde es sich für die zukünftige Durchführung von derartigen Projekttagen anbieten, weitere Themenmodule in das Angebot aufzunehmen. So stellt insbesondere das Thema der Ausgrenzung aufgrund von Armut eine sinnvolle thematische Ergänzung dar. Im Projekt wurde von den Schüler_innen wiederholt auf diese Ausgrenzungskategorie Bezug genommen.

Wir hoffen, mit dieser Projektdokumentation einen Anstoß für die Entwicklung neuer Ideen gegeben zu haben. Wir selbst sehen viele Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten, hier begonnene Prozesse fortzuführen. Vor allem aber hoffen wir, das Bewusstsein dafür gestärkt zu haben, dass Kinder in gesellschaftspolitischen Debatten längst angekommen sind und Präventionsarbeit in der Grundschule nicht nur beginnen kann, sondern auch muss.

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