Archiv der Kategorie: Die Projekttage

»Tag der offenen Tür!« – Können Behinderte überall mitmachen?

Insbesondere durch die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention findet an immer mehr Schulen inklusiver Unterricht statt, was häufig Umstrukturierungen, aber auch Diskussionen über diese mit sich bringt. Zum Teil entstehen hierbei Ängste und Sorgen, dass nicht alle die Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen, die sie benötigen. Grundsätzlich haben alle Kinder Bedarf an Unterstützung, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Darüber hinaus existiert häufig ein verzerrtes Bild von dem, was Behinderung sein kann. Hierbei verschwindet oftmals die Person selbst hinter der Wahrnehmung ihres Äußeren, was neben Ausgrenzung auch zu einer Bevormundung führen kann, die über eine gewünschte Unterstützung hinausgeht.offene Tür (3)

Wie auch die anderen Projekttage, diente dieser dazu, die Vorurteile, Sorgen oder Bedenken bei Kindern abzubauen. Hierfür wurden sie darin bestärkt, anfängliche Vorbehalte gegenüber einer ihnen zunächst einmal ungewohnt erscheinenden Person zu reflektieren und zu überwinden, um sich eine differenzierte Meinung über diese bilden zu können. Kinder können so dazu motiviert werden, von sich aus gegen die Stigmatisierung anderer vorzugehen.

 Leitfragen:

  • Heißt eine Behinderung haben, nichts mehr machen zu können? Was sind Barrieren?
  • Warum brauchen einige Menschen Unterstützung?
  • Kann man jemandem zu viel helfen?
  • Sind Menschen mit Behinderung immer nett oder können sie auch gemein sein?
  • Was ist normal? Bin ich normal? Sind alle normal? Was sind meine Bedürfnisse?
  • Sind Menschen behindert oder werden sie behindert?
  • Können alle in meine Schule gehen? Welche Probleme könnte es geben?
  • Helfen Erleichterungen für andere Menschen auch mir?

Inhalte und Methoden – Die offene tür (2)Schüler_innen wählten dieses Modul, da sie bis dato – laut eigener Aussage – nichts über das Thema wussten und etwas darüber lernen wollten. Wichtig war es daher, zunächst Verständnis für die unterschiedlichen Herausforderungen zu bilden, mit denen Menschen mit Behinderung konfrontiert sind. Darauf aufbauend sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Hindernisse überwunden werden können – wenn auch hierfür zum Teil Unterstützung notwendig ist. Durch die Arbeit mit Biographien sowie eine persönliche Begegnung konnte eine Vorstellung über unterschiedliche Lebenswege, Träume und Chancen vermittelt werden.

  • Arbeiten mit Biographien und persönliche Begegnung: Wie konnten Hindernisse überwunden und Träume verwirklicht werden?
  • Gebäude-Check (mit Augenbinden oder Rollstuhl): Welche Schwierigkeiten müssen überwunden werden?
  • Web-Seiten-Check: Welche Hilfen gibt es, um eine Web-Seite zu verstehen?
  • Rechte-Check: Ist die Behindertenrechtskonvention umgesetzt worden?

offene türFür unseren Projekttag konnten wir Alexander Abasov als Gesprächspartner gewinnen; er ist Tetraspastiker. Er berichtete aus seinem Leben und beantwortete ausführlich alle Fragen der Schüler_innen. Als er den Kindern erzählte, von welchem Fußballverein er Fan ist, war das Eis auch beim letzten gebrochen. Der Besuch hinterließ einen großen Eindruck auf die Kinder.

»Kann mal jemand mit anpacken?« – Werden Jungen und Mädchen immer gleich behandelt?

In der heutigen Gesellschaft existieren viele Bilder, die zeigen, wie Männer und Frauen bzw. Mädchen und Jungen sich zu verhalten haben, um nicht aus dem Rahmen zu fallen und eventuell ausgegrenzt zu werden. Dies stellt Kinder und Jugendliche vor unterschiedlichste Anforderungen, die mitunter nicht nur schwer miteinander zu vereinbaren sind, sondern sich zum Teil auch gegen die eigenen Wünsche und Bedürfnisse richten. Für viele ist dies eine Überforderung. Ebenso gehen gesellschaftspolitische Diskussionen über 22% Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern[1], Frauenquote und Betreuungsgeld auch an Kindern nicht spurlos vorbei. Gerade auf Mädchen kann diese Chancenungleichheit sehr entmutigend wirken. In diversen Medienformaten überwiegen außerdem Bilder von stark stereotypisierten Frauen, die immer nur einkaufen wollen, und Männern, die Geld und teure Autos haben und sich die Frauen aussuchen können. In solchen Darstellungen werden Probleme durch die Aufgabe der eigenen Persönlichkeit oder die Anwendung von Gewalt und Dominanz gelöst.

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Die Zielgruppe, an die sich die Projekttage richten, befindet sich in einer Phase, in der der eigene Platz in der Gesellschaft erst noch gefunden werden muss; die Kinder orientieren sich. Die Gefühle, die entstehen, wenn jemand sich Anforderungen nicht gewachsen fühlt und Erwartungen nicht erfüllen kann oder möchte, können sehr verschieden sein.
Die Schüler_innen bekamen in diesem Baustein die Chance, Rollenerwartungen zu erkennen und zu reflektieren sowie zu diesen eigene Positionen zu entwickeln. Jedem Kind Gehör zu verschaffen, brachte viele Meinungen in der Klasse zu Tage, wodurch es zu kontroversen und sehr produktiven Auseinandersetzungen kam.

 Leitfragen:

  • Gibt es das typische Mädchen? Gibt es den typischen Jungen?
  • Gibt es Eigenschaften, Hobbys oder Einstellungen, die nur zu Jungen oder nur zu Mädchen passen?
  • Warum bin ich (nicht) gerne ein Mädchen? Warum bin ich (nicht) gerne ein Junge?
  • Wie sollen Jungen oder Mädchen sein? Welche Erwartungen stellen Lehrer_innen, Freund_innen, Eltern? Sind diese fair?
  • Wie will ich sein? Darf ich so sein? Kann ich so sein?

anpacken 1 Inhalte und Methoden – In diesem Modul bot sich eine Auseinandersetzung mit eigenen Erwartungen der Schüler_innen an und denen, die an sie gestellt werden. Durch Irritationen konnten Rollenerwartungen erkannt, benannt und letztlich hinterfragt werden. Die Schüler_innen diskutierten auch persönliche Erfahrungen und als unfair empfundene Anforderungen. Dabei konnte nicht immer ein Konsens gefunden werden und einige Widersprüche blieben bestehen.

  • „Ich bin (nicht) gerne ein Junge/Mädchen weil/wenn/das/der…“ – Ideensammlung und Diskussion
  • Sammeln von Hobbys und Eigenschaften – Passen die wirklich nur zu einem Geschlecht?
  • Lesen einer Geschichte mit vertauschten Rollen
  • Rollenspiele

 

[1] Wert für 2013, Quelle: Statistisches Bundesamt

»Du hast hier nichts zu suchen!« – Wer entscheidet, wer in Deutschland leben darf?

Ein übersteigerter Nationalismus führt zur Abwertung und Ausgrenzung von Menschen anderer Staatsbürgerschaft. Dabei gibt es teilweise erhebliche Überschneidungen mit rassistischen Diskriminierungen. Aktuell kann dies an den Debatten um die Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten in Deutschland verfolgt werden. Diskussionen um eine homogene Nationalkultur, also darum, was deutsch sei und was nicht, spiegeln wider, wie Ausgrenzung oft praktiziert wird.
In vielen Schulklassen gibt es Schüler_innen, die keinen deutschen Pass haben oder einen weiteren als nur den deutschen. Zudem macht es einen erheblichen Unterschied, ob dieser Pass beispielsweise französisch und damit ein europäischer Pass ist, oder aber türkisch oder marokkanisch. Auch haben einige Schüler_innen keine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Dies zeigt sich in der Auseinandersetzung mit dem rechtlichen Status der Schüler_innen sowie den alltäglichen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, und den Einstellungen gegenüber der jeweiligen Nationalität, der manchmal noch vor der Person Beachtung geschenkt wird.
Die Themen Migration, Flucht und Asyl sind Kindern aus den Medien und oft auch aus Diskussionen im Elternhaus bekannt. Die Debatten führen meist Erwachsene, ohne Kinder aktiv mit einzubeziehen. Dennoch bekommen diese die zudem häufig stark polarisierenden und emotional geführten Diskussionen mit. Dies kann Unsicherheit erzeugen und die Entwicklung eines eigenen Zugangs zum Thema erschweren.

nichts zu suchen (2)

Leitfragen:

  • Warum gibt es Landesgrenzen? Sind diese für alle gleich?
  • Warum ziehen einige Menschen in ein anderes Land um?
  • Was ist Flucht? Was ist Asyl? Welche Rechte haben Asylbewerber_innen?
  • Welche Rechte haben Kinder, wenn sie von dem einen in ein anderes Land ziehen?
  • Welche Schwierigkeiten kann es geben? Kann man diese lösen?
  • Was sind Vorurteile? Können Vorurteile Menschen schaden?

Inhalte und Methoden – Um verzerrten Vorstellungen darüber, warum Menschen in ein anderes Land gehen, entgegen zu wirken, ist in diesem Modul wichtig, mediengestützt oder durch eine persönliche Begegnung die Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen weiterzugeben, die migriert sind. Darüber hinaus sollte es den Kindern ermöglicht werden, selbst die Erfahrung zu machen, dass Kommunikation durch Sprachbarrieren erschwert wird. Gemeinsam sollen Ideen entwickelt werden, wie diese Schwierigkeiten überwunden werden können, um Ausgrenzung zu verhindern.

  • Arbeit mit persönlichen Begegnungen und – wo dies nicht möglich ist – mit Biographien und persönlichen Geschichten, die einen Einblick darin geben, was es bedeutet, in ein anderes Land zu gehen?
  • Kommunikationsmethoden – Der Aspekt von Fremdsprachen
  • Grenzerfahrungen – Methoden zum Verständnis von Grenzen, Einschluss in und Ausgrenzung aus Gruppen

nichts zu suchen

»Die sind eben so« – Bestimmt der Geburtsort den Charakter eines Menschen?

Rassismus ist die Diskriminierungsform, die wahrscheinlich als erste mit rechten Ideologien assoziiert wird.[1] Wie wenig es sich hierbei um ein Randphänomen handelt, sieht man u.a. daran, dass weit über die rechten Szenen hinaus Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen Herkunft oder Vorfahren diverse Eigenschaften zugeschrieben werden. Selbst wenn einige Zuschreibungen gut gemeint sind, so sind sie doch pauschale Urteile, die die Betroffenen in ihrer Individualität abwerten. Rassistische Vorurteile sagen mehr über diejenigen aus, die sie besitzen, als über jene, die sie zu beschreiben versuchen. Auch werden sie meist nicht reflektiert und sind mit Fakten nur schwer auszuräumen. Sie halten sich häufig selbst dann hartnäckig, wenn bereits gegenteilige Erfahrungen gemacht wurden. Letztere werden meist nicht als Widerspruch zu den Vorurteilen, sondern als Ausnahme der Regel betrachtet. Schlechte Eigenschaften und angeblich abweichendes Verhalten werden so pauschal auf Menschengruppen bezogen. Wenn pauschale Zuschreibungen in Berichten und Diskussionen genutzt werden und es Kindern nicht möglich ist, diese Ausgrenzungstechniken in vollem Umfang nachzuvollziehen, kann dies Ängste schüren.

6B (5) In den meisten Klassen gibt es Kinder, die schon Erfahrungen mit rassistischen Diskriminierungen machen mussten. Je nach Gruppe kann dieses Modul entweder dazu genutzt werden, sich über eigene Diskriminierungserfahrungen auszutauschen oder um zu analysieren, dass und inwiefern Pauschalisierungen unfair sind. Gemeinsam sollte versucht werden, mögliche Umgangswege in beiden Konstellationen zu finden.

Leitfragen:

  • Gibt es Unterschiede zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern? Sind alle Deutschen gleich? Deutsch sein – Was bedeutet das eigentlich? Was verbinden wir damit?
  • Sind wir alle gleich? Wie unterscheiden wir uns? Was sind unsere Gemeinsamkeiten?
  • Wer ist „fremd“? Können „Fremde“ sich in Deutschland zu Hause fühlen?
  • Wieso soll man manche Begriffe nicht sagen? Wer wird damit beleidigt?
  • Warum geht es Menschen schlecht, wenn sie rassistisch beleidigt werden?

Inhalte und Methoden: An diesem Projekttag sollte vor allem das Bewusstsein für die eigene Identität gestärkt werden. Darauf aufbauend soll der dadurch ersichtlichen Vielfalt der Gruppe wertschätzend begegnet werden, so dass auch andere Identitäten als positiv erfahren werden. Darüber hinaus kann durch verschiedene Methoden versucht werden, Zivilcourage zu stärken. So werden Ungerechtigkeiten aufgedeckt und benannt. Hierauf aufbauend kann zudem gemeinsam überlegt und erprobt werden, wie man gegen diese vorgehen kann. Dies gibt allen Kindern die Möglichkeit, sich in der Rolle einer unterstützenden Person zu erleben.

  • Biographische Zugänge
  • Auseinandersetzung mit Vorurteilen
  • Rollenspiele zur Stärkung von antidiskriminierendem Verhalten
  • Gewaltbarometer – Was ist Gewalt? Geht das alle etwas an?

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[1] Das Modul hieß im laufenden Projekt »Die sind eben so!« – Hat Herkunft etwas mit Eigenschaften zu tun?. Der Titel wurde im Zuge der Auswertung des Projekts für die Dokumentation geändert, um so für Kinder besser verständlich zu sein.

Projekttag 2 – Das Wahlmodul

Am zweiten Projekttag wurde in den Klassen jeweils ein Modul zu dem von den Schüler_innen gewählten Schwerpunkt durchgeführt. Den Kindern wurde ermöglicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dazu gehörte es auch, die Meinungen anderer wahrzunehmen und gegebenenfalls nicht auflösbare Widersprüche auszuhalten. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Kinder sehr wohl wahrnehmen, dass einige Menschen anders behandelt oder mit anderen Erwartungen konfrontiert werden. In der Regel haben sie ein starkes Ungerechtigkeitsempfinden.
Die exemplarische Vertiefung eines Themas leitete über zu allgemeineren Auseinandersetzungen mit Fragen der Gleichbehandlung und Benachteiligung sowie der Wirkung von Ausgrenzungen und Abwertungen von Menschen. Die angebotenen Vertiefungsmodule beruhen auf Diskriminierungskategorien, nach denen Menschen abgewertet und ausgegrenzt werden und die zentrale Bestandteile rechter Ideologien sind. Alle vorgeschlagenen Themen werden auf den folgenden Seiten vorgestellt. Im Projekt entschied sich die eine Klasse für das Thema „Kann mal jemand mit anpacken?“[1], die andere für „Tag der offenen Tür!“.

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Leitfragen – Zu jedem Modul waren Leitfragen formuliert, die eine Orientierung gaben, wie der Einstieg ins gewählte Thema gefunden werden kann. Grundlage für die Gestaltung des Tages bildeten die Fragen und die Ideen der Kinder; diese wurden aufgenommen und ergänzten den thematischen Zugang. Die Kernfragen, die vom ersten Tag mit übernommen wurden, lauteten: „Haben alle die gleichen Chancen, ihre Träume zu verwirklichen?“ und „Ist das gerecht?“.

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Inhalte und Methoden – Bei der Planung und Durchführung stand vor allem eine Frage im Mittelpunkt. Wie nah stehen die Schüler_innen dem gewählten Thema? Hieraus folgten die Entscheidungen zur Auswahl bestimmter Inhalte und Methoden. Gibt es Wissen und Vorstellungen der Schüler_innen, die für einen Austausch aktiviert werden können, um sich auszutauschen, oder ist es zunächst notwendig, neue Erfahrungen zu ermöglichen. Letzteres geschah dann unter anderem durch die Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten von Menschen, die bereits Diskriminierungserfahrungen gemacht haben.

Die folgenden Modulbeschreibungen enthalten jeweils neben einer allgemeinen möglichen Herangehensweise einzelne Vorschläge für Inhalte und Methoden.

 

[1] Der Titel des Moduls lautete im Projekt noch »Jetzt hab dich nicht so!«. Das Modul wurde umbenannt, um deutlicher zu machen, dass die wesentlichen Inhalte Rollenerwartungen an Mädchen und Jungen sind.

Projekttag 3 – Kamera läuft!

Am letzten Projekttag setzten sich die Schüler_innen kreativ und handlungsorientiert mit ihrem Wahlthema durch dsa Medium Film auseinander, um so die erlernten Inhalte weiterzuverarbeiten. Die Idee, einen Film allein zu produzieren, motivierte die Schüler_innen sehr. Da die technische Einweisung und die Bildung der Mediengruppen möglichst wenig Zeit beanspruchen sollte, war die Verwendung anderer Medien im Projekt nicht vorgesehen.
In ihrem Film sollten die Schüler_innen einen Aspekt des Themas ihrer Wahl inhaltlich vertiefen, indem sie einen Lösungsansatz für ein gesellschaftliches Problem erarbeiteten bzw. einen nicht auflösbaren Widerspruch darstellten. Ob hierbei die Meinungen der beteiligten Schüler_innen im Mittelpunkt stehen sollten oder die anderer Personen – wie Passant_innen – entschieden die jeweiligen Produktionsgruppen selbst.
Damit der Dreh für die Kinder überschaubar blieb und von ihnen nachvollzogen werden konnte, arbeiteten sie in Kleingruppen von 4 bis 5 Schüler_innen. Dadurch konnte und musste sich jede_r nach eigenem Interesse und Fähigkeiten in die Produktion des Films einbringen.

Phasen des dritten Projekttags:

Einstieg – Der Tag begann mit einem Spiel und einer kurzen Phase, in der die Kinder wieder im Projekt ankommen konnten, indem die vorherigen Tage kurz in Erinnerung gerufen und der Tagesplan abgestimmt wurde.

Der Drehplan – Nachdem die Produktionsgruppen gebildet wurden, entschieden diese, wie sie ihren Film umsetzen wollten. Es standen ihnen dabei verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung zur Auswahl. Die Schüler_innen entschieden sich hierbei zwischen einem Kurzfilm, Interviews und einer Nachrichtenreportage. Aus den fünf bis sechs Filmthemen, die wir ihnen vorgaben, konnten sie eines wählen. Unsere Themenvorschläge resultierten aus den Meinungen und Fragen, die bei den Schüler_innen im Zuge des zweiten Projekttages entstanden. Die Vorgaben sollten die Gruppen im Produktionsprozess unterstützen. Selbstverständlich konnten die Schüler_innen auch eigene Ideen umsetzen, solang diese zum Thema passten und realistisch umsetzbar waren.
Nach dieser Themenfindungsphase erstellten die Gruppen einen Plan für den Dreh der einzelnen Szenen, entwickelten Interviewfragen, etc.

Technikeinweisung – Die Produktionsgruppen entschieden selbst, welche zwei Schüler_innen für die technische Umsetzung verantwortlich sein sollten. Während der Rest der Gruppe den Drehplan fertig stellte, erhielten diese beiden eine Einweisung in die Technik. Die verwendete Technik ermöglichte es, mit nur einem Gerät zu filmen, zu schneiden und den Ton nachzubearbeiten. Bereits in früheren Projekten zeigte sich, dass Kinder dies in der Regel intuitiv sehr gut können, sodass ihnen die technische Umsetzung kein Problem bereitete.

Produktion – Während der Produktion mussten verschiedene Aufgaben übernommen werden. Neben der Bedienung der Technik galt es zu schauspielern, Interviews zu führen, Drehorte auszuwählen und vorzubereiten. Absprachen waren fortwährend notwendig. Einige Gruppenmitglieder erstellten ein Filmplakat, während andere den Schnitt und die Fertigstellung des Films übernahmen.

Die Kinder arbeiteten in allen Phasen der Planung und der Produktion fast vollständig eigenverantwortlich, konnten hierbei aber jederzeit auf die Unterstützung des Projektteams zurückgreifen. Die größte Herausforderung stellte es für die Schüler_innen dar, ihre Idee in einen Drehplan zu übersetzen. Während einige Gruppen dies in einem Planungsschritt umsetzen konnten, erstreckte sich dieser Prozess bei anderen über den gesamten Filmdreh. Entsprechend unterschiedlich nahmen die Kinder unsere Unterstützung in Anspruch.

Sichtung und Abschluss – Die fertigen Filme wurden im Klassenverband gesichtet und deren Inhalte thematisiert. In der abschließenden Auswertung hatten die Schüler_innen die Gelegenheit, ihre Meinungen zum letzten Projekttag wie auch zum gesamten Projekt zu äußern.

Produkte – Der Fokus des Projekts lag nicht auf der Produktion technisch und dramaturgisch einwandfreier Filme. Im Gegensatz zu Medienseminaren stand die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Filme im Vordergrund. Aufgrund des engeren Zeitrahmens konnten technische und schauspielerische Vorübungen für den Videodreh leider nicht stattfinden. Eine stärkere Zusammenführung der inhaltlichen Arbeit mit vorbereitenden Medienübungen wäre für die Filmproduktion in künftigen Projekttagen mit Sicherheit gewinnbringend.

Strukturelle Hilfestellungen – Ein Projekttag stellt einen sehr kurzen Zeitraum dar, um die Schüler_innen zu befähigen, selbstständig Filme von inhaltlicher Relevanz zu erstellen. Anhand eines Themas eine Geschichte oder einen Interviewleitfaden zu entwickeln und diese/n filmisch so umzusetzen, dass die Intention der Filmemacher_innen dabei zur Geltung kommt, stellte eine große Herausforderung für die Kinder wie auch uns als Projektteam dar; umso mehr, da dies an einem Tag erfolgte.

Im Laufe des Projekts entschieden wir daher, stärkere strukturelle Vorgaben für die Konzeption der Filme zu machen. Dies sollte die Kinder dabei unterstützen, diese Herausforderung besser bewältigen zu können, und es ihnen erleichtern, ihr Projekt erfolgreich abzuschließen.

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Zum einen machten wir hierfür formale Vorgaben. So sollten sich die Schüler_innen an einer Gesamtfilmlänge von maximal 5 Minuten – verteilt auf insgesamt 3 Szenen – orientieren. Zum anderen empfahlen wir den Kindern eine Struktur für den Aufbau der Filme/Reportagen/Interviews. Diese sollte es den ihnen erleichtern, für die Szenen oder Interviewfragen einen Ablauf zu entwickeln, der einen Spannungsbogen aufweist und zu einem lösungsorientierten Abschluss kommt.

Die unten abgebildete Grafik diente den Schüler_innen als Vorlage für die Entwicklung der Szenen bzw. Interviewfragen. Dabei mussten die Vorgaben nicht 1:1 umgesetzt werden, sondern sollten die Schüler_innen lediglich unterstützen. Dies gelang sehr gut. So dienten unsere Vorgaben den meisten Gruppen als Startvorlage, über die sie im Laufe der Produktion hinausgingen. Es zeigte sich, dass die Schüler_innen sehr gut in der Lage waren zu entscheiden, welche formalen Vorgaben sie benötigten und welche nicht, um ihren Film zu drehen.

Projekttag 1 – Träume und Chancen!

Der erste Tag des Projekts versuchte vor allem zweierlei: Zunächst näherten wir uns den Themen Diskriminierung und Chancen(un)gleichheit allgemein. Sodann sollte das den Schüler_innen hierdurch angeeignete Wissen es ermöglichen, Fragen zu entwickeln, die die Entscheidung für ein Thema zur vertiefenden Weiterarbeit für die folgenden Projekttage ermöglichen sollten.

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Phasen des ersten Projekttags:

Kennenlernen und Transparenz – Um den Schüler_innen zu jedem Zeitpunkt eine Orientierung im Programmablauf zu ermöglichen, wurde zu Beginn als eines der ersten methodischen Hilfsmittel ein Tagesplan eingeführt. Uns war darüber hinaus wichtig, durch Methoden des vertiefenden Kennenlernens eine vertrauensvolle Gruppenatmosphäre zu unterstützen, in der die Kinder auch gern zu sensiblen Themen arbeiten.

Träume und Wünsche bewusst machen – In kleinen Gruppen erstellten die Schüler_innen Collagen, in denen sie ihre Wünsche und Träume für ein schönes Leben darstellten. Bei der Vorstellung der Ergebnisse wurde den Kindern klar, dass Träume vielfältig sind und alle in ihrer Unterschiedlichkeit ihre Berechtigung haben. Die in der Klasse vorhandene Vielfalt, die sich auch in Meinungsdifferenzen widerspiegelte, wurde so bewusst entdeckt, ausgehalten und anerkannt.

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Chancen(un)gleichheit reflektieren – In einer darauf folgenden Phase arbeiteten wir in Kleingruppen. Die Schüler_innen zogen jeweils eine Rollenkarte, über die sie sich miteinander austauschten. Zur weiteren Annäherung an ihre Rolle erstellten sie Freundschaftsbucheinträge für diese. Die Rollen waren so angelegt, dass sie am unmittelbaren Alltag der Schüler_innen ansetzten. Darüber hinaus waren sie so konstruiert, dass die Rollenpersonen in Bezug auf bestimmte Situationen einen erschwerten Zugang zu Ressourcen hatten (Bildung, Zeit, Unterstützung, materielle Güter). In einem letzten Schritt bewerteten die Kinder für bestimmte Aktivitäten, ob ihre Rollen an diesen teilhaben könnten bzw. über bestimmte Freiheiten verfügen würden oder nicht. Es sollte deutlich werden, dass Chancen nicht gleich verteilt sind. Ausgehend von der Kernfrage „Ist das gerecht?“ wurde diskutiert, warum Chancenungleichheit nicht gerecht ist.
Während dessen kamen unterschiedlichste Fragen zu Diskriminierungen, Lebensumständen und Rechten auf. Diese klärten wir immer unmittelbar in den Kleingruppen und diskutierten sie bei Bedarf.

Wahl eines Themenschwerpunkts – Durch die vorhergehende Übung entstand eine Sammlung von verschiedenen Ungerechtigkeiten. Die Schüler_innen konnten im nächsten Schritt eines der angebotenen Themen als Vertiefungsschwerpunkt für die weitere Bearbeitung wählen.

Feedback – Am Ende des Tages gab es für alle die Möglichkeit, sich zum Verlauf des Projekttags zu äußern und Lob, Kritik sowie Änderungswünsche mitzuteilen.